Einigung im Bäderstreit: Stadtwerke Neuwied und Betreiber finden einen Kompromiss

Schwimmer pachten Neuwieder Bäder


24.02.2010

Nach monatelangem Streit hinter den Kulissen haben sich die Beteiligten nun an einen Tisch gesetzt. Die RZ präsentiert den Kompromiss zwischen Verein und SWN.
  NEUWIED. Es ist nicht das Wunschlos-glücklich-Wohlfühlpaket, aber es ist ein Kompromiss, der das Überleben des Neuwieder Schwimmvereins 09 ermöglicht: Nach monatelangem Streit einigten sich die Führung der Stadtwerke Neuwied und Klaus Falkenburg, Vorsitzender des Neuwieder Schwimmvereins 09, auf einen Kooperationsvertrag.
  Ab dem 1. April ist die gemeinnützige GmbH, die das Heimbach-Weiser Bad betreibt, Pächter der Anlage. Das heißt: Das Bad liegt dann komplett in der Verantwortung der gGmbH und deren Geschäftsführer Falkenburg. Die Stadtwerke haben noch die technische Aufsicht, etwa über die Wasserqualität, und erfüllen die Aufgaben, die ihnen als Eigentümer des Bades zufallen. Damit fallen auch 100 Prozent der Einnahmen dem Badbetreiber zu. In der Vergangenheit waren es 90 Prozent.
  Der NSV erhält einen jährlichen festen Zuschuss von 62.500 Euro und bis zum 1. April 2012 die Garantie, dass der Preis für die jährlich gelieferte Energie 75.000 Euro nicht übersteigt. Parallel dazu wird auch der Heimat- und Verschönerungsverein Oberbieber das dortige Freibad ab 1. April pachten und einen jährlichen Zuschuss von 37.500 Euro erhalten. Dazu gibt es die Garantie, Energie zum SWN-Einkaufspreis zu beziehen.
  SWN-Geschäftsführer Dirk Hillesheim sieht in der Pacht die Chance für die Vereine, Rückstellungen zu bilden und sich so auf anstehende Investitionen vorzubereiten.
  Auch im Streit um die Bahnbelegungen in der Deichwelle durch Vereinsschwimmer einigten sich beide Parteien. Dazu Klaus Falkenburg: „Wir sind jetzt auf ein nicht weiter zu kürzendes Minimum reduziert.” Im Vorfeld der Vertragsverhandlung zwischen den SWN und Falkenburg sowie dem Förderverein Deichwelle hatten sich die Wassersportvereine zusammengesetzt und gerechnet, wer welche Stunde wirklich benötigt. „Dabei haben wir die Belegungszeiten um 40 Prozent gekürzt”, sagt Falkenburg. Er sagt auch: „Uns war immer klar, dass wir uns an den Bahnkosten beteiligen müssen, nur wäre der Schritt von 0 auf 100 nicht tragbar gewesen.”
  Dass die Zuschüsse der Stadt an die SWN für das kostenlose Vereinsschwimmen in der Deichwelle plötzlich nicht mehr ausreichten, hat mit dem sprunghaften Anstieg der Vereinsschwimmer zu tun. Rechnete man bei den SWN in den Jahren 2008 und 2009 mit 200 bis 300 Vereinsschwimmern, so waren es am Ende des Jahres 2009 fast 1.700. Dazu Hillesheim: „Der unglaubliche Anstieg der Mitgliederzahlen hat uns überrascht. In unseren Kalkulationen sind wir davon ausgegangen, dass der Zuschuss locker reicht. Wir müssen uns da vielleicht auch den Schuh anziehen, dass unser Controlling nicht perfekt war.”
  Für die Jahre 2008 und 2009 hat die Stadt Neuwied an die SWN Zuschüsse für das Vereinsschwimmen in Höhe von 98.000 Euro gezahlt. Geschwommen sind die Vereine aber für 135.000 Euro. Die fehlenden 37.000 müssen die Vereine also noch erbringen. Aber auch den Punkt nennen Falkenburg und die SWN-Geschäftsführer lösbar.
  Damit aus dem Vereins- und dem öffentlichen Schwimmen in der Deichwelle ein Miteinander und kein Gegeneinander wird, haben die Neuwieder Schwimmer ihre Kräfte gebündelt. Dazu Falkenburg: „Die Leistungsschwimmer vom Wassersportverein und vom SV Hüllenberg trainieren jetzt beim NSV.” Damit belegen Wettkampfschwimmer nicht mehr mehrere Bahnen in derDeichwelle. Der Donnerstag wird zukünftig vereinsfrei sein. Dirk Hillesheim: „Dieser Tag ist für die Gäste, die gern diagonal schwimmen wollen, das ganze Becken nutzen möchten.” Dafür können die Vereine die Deichwelle auch jenseits der Öffnungszeiten nutzen.
  Auch Hans-Peter Schmitz, Leiter des Amtes für Schule und Sport, ist froh über die Einigung und darüber, dass Schulschwimmen weiterhin in Heimbach-Weis stattfindet.
  Um die finanzielle Situation des Vereins zu sichern, denkt Klaus Falkenburg über eine moderate Erhöhung des Jahresbeitrags nach. Auch will er Unterstützungsmitglieder werben, die den Schwimmsport in der Deichstadt mit seinen beeindruckenden 1700 Mitgliedern stärken. Vor dem Super-GAU auf der Zielgeraden – einem großen Schaden in der Technik des Heimbach-Weiser Bades – ist Falkenburg nicht bange: „Das Bad ist top in Schuss, und wir können alles reparieren.”
 

(mik)