SWN-Aufsichtsrat beschließt Sparkurs für Deichwelle - Einsparpotenzial 480 000 Euro

Gehen beim großen Sparen Vereine baden?


05.02.2010

Es gehl um ein Defizit von 2,6 Millionen Euro. Da hat wohl keiner mit einem Kindergeburtstag gerechnet. Für Vereine kommt es knüppeldick.
Vereine nicht informiert

Laut Aussage eines Mitglieds des Fördervereins Deichwelle sind die Wassersport- und Schwimmvereine Neuwieds im Vorfeld der Aufsichtsrats-Sitzung : nicht über das Altenburg-Gutachten und dessen Auswirkungen auf Vereinssport und Deichwellennutzung informiert worden. Am Montag will die Stadtwerkeführung den Förderverein Deichwelle im Gespräch informieren.
NEUWIED. Am Mittwoch präsentierten die SWN-Geschäftsführer Stefan Herschbach und Dirk Hillesheim dem SWN-Aufsichtsrat das Sparkonzept für die Deichwelle aus der Feder des Bäderfachmanns Altenburg. Die SWN-Spitze sagt zum Ergebnis: „Es ist ein Kompromiss zwischen betriebswirtschaftlichem Gutachten und der eigenen Vorgabe, weiterhin ein attraktives Angebot für Schulen, Vereine und den allgemeinen Badebetrieb mit hohem Kundenservice zu bieten.“ Klaus Falkenburg, Vorsitzender des Neuwieder Schwimmvereins 09, sagt zum Spardiktat: „Wenn das beschlossene Sache ist, stelle ich bei der nächsten Vereinssitzung den Antrag auf Auflösung des Vereins.“
Worum es geht: Laut Gutachten hat die Deichwelle kein Einnahme-, sondern ein Kostenproblem. Die Besucher- und Pro-Kopf-Umsatz-zahlen seien gut, die Kostenstruktur sei es nicht.
Da 1,3 von 2,6 Millionen Euro Defizit Kapitalkosten sind – Zins und Abtrag –, geht es den Betriebskosten von 1,3 Millionen an den Kragen. Und so soll's laufen; Durch die Nichtbesetzung von frei werdenden Stellen ergibt sich ein Sparvolumen von 330 000 Euro im Jahr im Vergleich zu 2009.
  Bei den Betriebskosten sollen durch Energieeinsparungen und organisatorische Maßnahmen insgesamt 150000 Euro eingespart werden. Unter anderem wird die Nachtreinigung nun von externen Anbietern erledigt. Die 19 Deichwellemitarbeiter, 2008 waren es 24, steuerten Einspartipps im Wert von 40 000 Euro bei. Ein Großteil des Konzepts soll dieses Jahr, der Rest 2011 umgesetzt sein. Zum Sparpaket gehören auch reduzierte Öffnungszeiten: Mittwochs und freitags öffnet die Deichwelle wegen mangelnder Nachfrage erst um 12 Uhr. Saunabesuche und Schulschwimmen finden aber in dieser Zeit trotzdem statt. Die Öffnungszeit reduziert sich pro Woche so von 80 auf 74 Stunden.
  Das Freibad soll nicht mehr von Mai bis September, sondern von Juni bis August offnen. Nur 400 Besucher sind es laut Herschbach jeweils in den Monaten Mai und September - zu wenig. Der Geschäftsführer: „Einen Tag das Freibad aufzuheizen kostet uns 800 Euro." So weit, so unspektakulär, könnte man sagen. Härtere Zeiten kommen allerdings auf die Schwimmvereine zu.
  Der Aufsichtsrat hat beschlossen, dass das Gesamtdefizit der Bader Heimbach-Weis und Oberbieber 200.000 nicht mehr übersteigen soll. Subtrahiert auf die reinen Zuwendungen heißt das: 50.000 Euro für Heimbach-Weis, 40.000 für Oberbieber.
  Dazu sagt Klaus Falkenburg, Geschäftsführer der gGmbH, die das Heimbacher Bad betreibt: „Das ist inakzeptabel. Ich habe den SWN einen Vorschlag gemacht: 75 000 Euro für Wasser, Strom und Gas."
  Herschbach sagt dazu: „Herr Falkenburg hat zugesagt, dass er sich durch Kooperation mit der Verbandsgemeinde Rengsdorf (Schwimmunterricht gegen Betriebskostenzuschuss) an den Betriebskosten beteiligen will. Dann käme man wieder auf 75 000 Euro.“
  Laut Falkenburg ist diese Kooperation noch gar nicht in trockenen Tüchern. Außerdem: 40.000 Euro für das Oberbieberer Freibad, das sechs Wochen geöffnet hat, und 50.000 Euro für Heimbach-Weis im Ganzjahresbetrieb, ist nicht ausgewogen."
  Die Vereinszeiten in der Deichwelle will der Aufsichtsrat um die Hälfte reduzieren. Laut Gutachten schwimmen nur 1,5 Vereinsschwimmer pro Bahneinheit in der Deichwelle. Vier bis fünf Schwimmer seien tolerierbar. Hier widerspricht Falkenburg für den 09: „Wir haben acht bis zehn Kinder auf der Bahn. Das kann ich belegen. Wir zählen nämlich auch.“
  Richtig schmerzhaft wird für die Vereine das Abschiednehmen von einem Privileg: In der Vergangenheil zahlte die Stadt den SWN den Eintritt für Mitglieder der Schwimmvereine. Diese Summe – Stefan Herschbach rechnet 90.000 Euro, Klaus Falkenburg 49.000 Euro pro Jahr – wird in Zukunft nur noch 25. 000 betragen. In Zukunft zahlen Vereinsmitglieder pro Badbesuch bis 1,50 Euro. Hillesheim sagt dazu: „Man darf nicht vergessen, dass wir bereits 2,1 Millionen Euro pro Jahr tragen, um den Vereinen ein Bad zur Verfügung zu stellen."
  Falkenburg rechnet: „Da kommen auf unsere Schwimmer 800 Euro pro Monat zu. Soll ich die auf die Mitgliedsbeiträge draufschlagen?“
 

Mirko Kaiser

Das »Gutachten«, das die Stadtwerke dem Aufsichtsrat als von einem »Bäderexperten« angefertigt vorstellte, ist offenbar eine teuer erkauftes gefälliges Geschreibsel eines Experten für Selbstdarstellung
Roth rudert zurück Nach einem spektakulären Éinmarsch von hundert jugendlichen Schwimmern in die Stadtratssitzung vom 10.02.2010 ruderten die Kommunalpolitiker zurück. Ein verabredetes Streitgespräch in der Redaktion der Rhein_Zeitung zwischen dem Technischen. Geschäftsführer der Stadtwerke, Stefan Herschbach, und dem Vorsitzenden des Schwimmverreins NSV09, Klaus Falkenburg, wurde kurzfristig abgesagt, und Oberbürgermeister Nikolaus Roth erklärte, die Stadt werde den Verein beim Betreiben des Hallenbads Heimbach-Weis unterstützen, schränkte die Zusage aber sogleich ein: ... solange „keine größeren Investitionen anstehen” — Das Todesurteil wurde also aus PR-Gründen vorläufig ausgesetzt, die Exekution erfolgt vermutlich doch, sobald größere Reparaturen anstehen.
  Wie die Einigung zwischen Stadtwerken und Schwimmern aussieht, beschrieb die Rhein-Zeitung hier